…wird man sein bei den Themen Bio und Fairtraid. Einfach deswegen, weil man scheinbar nie vollständig informiert sein kann. In der Sendung Klub Konkret wurden die Themen behandelt und auch ganz gut beleuchtet. Natürlich wurden ganz klassisch Passanten auf der Straße nach ihrem Konsumverhalten befragt und ob man wisse, woher ihre Produkte kommen. Häufiger Tenor: “Mir egal, interessiert mich auch nicht.”

Dass es nicht egal ist, hat die Sendung eigentlich ganz gut gezeigt. Und obwohl die Beteiligten, insbesondere der Reporter, klar Position bezogen, wurde brav auf die kritische Art und Weise nachgefragt. Dennoch blieb natürlich wieder viel zu viel unbesprochen. Zugegebenermaßen dürfte das wohl an der festgelegten Sendezeit gelegen haben. Wenngleich die gesamte Sendung sehenswert ist, so ist der Teil mit den Textilien besonders interessant.

Ein Argument beispielsweise, das genannt und dennoch nur angedeutet wurde, ist gleichermaßen bedeutsam wie die bekannten Kernaussagen zu Bio und Fairtrade. Was ebenso wichtig ist: Transparenz. Was nützt mir die Aussage ein angeblich fair gehandeltes Produkt erworben zu haben ohne den vollständigen Weg zu kennen? Wer hat denn nun unter guten Bedingungen gearbeitet, nur der Verpacker des Shirts vorm Versand in die westliche Welt oder auch der Bauer der Baumwolle?

Diese Frage kann Stefan Niethammer von 3FREUNDE beantworten. Und zwar wenn er von seinen aus zertifizierter Bio-Baumwolle hergestellten und fair gehandelten T-Shirts spricht. Die wenigsten Firmen haben die Möglichkeit den Werdegang ihrer Produkte zurückverfolgen zu können. Fakt ist doch, dass kaum noch innerhalb des Wirkungsbereiches der EU produziert wird. Jedenfalls nicht von Grund auf. Wieso auch, die meisten Rohstoffe wachsen nun mal woanders, das soll gar nicht die Kritik sein.

Bleiben wir beim T-Shirt. Mit dem Erwerb des einfachen Stoffes aus dem Ausland ist es nicht getan. So viele Fragen bleiben noch offen. Welchen Schadstoffen sind die womöglich unterbezahlten Menschen in der Färberei ausgesetzt? Wo wurde unter welchen Bedingungen gewebt? Wer hat die Baumwolle gepflückt? Um mal nur drei Beispiele zu nennen. Nachforschungen hierfür müsste man vor Ort betreiben. Und wo ist eigentlich “vor Ort”? Bei 3FREUNDE spielt sich alles in Indien ab, größtenteils in der Region Tirupur. Hier ist der Weg zurück zum Ursprung des Produktes nicht verwaschen. Und dass solche Fragen gestellt werden, zeigt das wachsende Interesse an diesem Wissen.

Mit Zertifikaten wie dem Fairtrade-Siegel oder dem GOTS-Zertifikat (Global Organic Textile Standard) wird dem Verbraucher die Einordnung von Textilprodukten ein wenig erleichtert. Sicher sein kann man sich aber wohl nie, ob durch trickreiche Subunternehmungen nicht Schindluder betrieben wurde. Es bedarf also einer weiteren und zwar ganz individuellen Beschreibung des Produktionsweges. Je mehr an diesem beteiligt sind, desto schwerer wird es werden den Verbraucher zufrieden stellen zu können. Der Händler hat irgendwann keine Chancen mehr zu erfahren, wie sie Ernte der Baumwolle von Statten lief.

Letztendlich geht es neben der Umwelt doch um die Menschen und dass sie es den Umständen entsprechend ebenfalls gut haben sollen. Es sollte daher im Interesse aller sein, über die Bedingungen vor Ort informiert zu sein. Oft wird vom Bildnis des Blutes an den Händen gesprochen, wenn Leben bei der Produktion eines Produktes aufs Spiel gesetzt wird. Dass nicht nur in der Elektrobranche, sondern auch in der Textilbranche um Menschenleben gezockt wird, beschreibt Rapha Breyer in seinem Blog.

Das Argument der Rückverfolgung von Stefan in der Sendung mag einem banal vorkommen. Beschäftigt man sich aber mit diesem winzigen Detail und nimmt man sich Zeit für die Recherche und der anschließenden Reflexion des erworbenen Wissens, dann leuchtet einem doch schnell ein, um was es geht. Um Leben anderer Menschen und deren Bedingungen dieses führen zu können. Wie geht es denn ganz konkret den Menschen in Indien, die für 3FREUNDE T-Shirts produzieren? Stefan war erst kürzlich dort und hat seine Eindrücke festgehalten. Denn nur so lassen sich mit gutem Gewissen die vielen zurecht gestellten Fragen beantworten. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. 3FREUNDE liefert darüber hinaus übrigens einen allgemeinen Informationsteil zu ihren Produkten.

Man wird vielleicht niemals einer Meinung sein. Das ist völlig natürlich und gehört zur Freiheit des Menschen dazu sich seine eigene Meinung bilden zu dürfen. Wichtig ist es jedoch auf Details hinzuweisen. Kleine Details, die große Auswirkungen auf Menschenleben haben können. Das gilt zu bedenken.

Niemals einer Meinung

CC BY-SA 4.0 Niemals einer Meinung von Fabian Felbick ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Fabian

Baccalaureus Oeconomiae. Kommunikator, Pfadfinder und bodenständiger Erdbewohner. Interessiert an Skandinavien, der Raumfahrt, Podcasts und Medien sowie spektakulären Ereignissen wie der re:publica.