Seit nunmehr 42 Tagen schon bin ich im hohen Norden und sogar 250km nördlicher des Polarkreises, in Harstad. Zeit, auch endlich mal darüber zu schreiben. 42 Tage voller unglaublicher Eindrücke, neuer Freunde, vieler toller Begegnungen; 42 Tage in einer der schönsten Gegenden der Welt: Norwegen.

Als internationaler Student im Rahmen des Eramus-Programms in Norwegen gehört man als Deutscher scheinbar eindeutig zur Minderheit. Ich bin am Harstad University College (norwegisch: Høgskolen i Harstad) der Einzige meiner Gattung – was auch ganz gut so ist. Hier wird fleißig Englisch gesprochen. In dieser Sprache finden ja auch die Vorlesungen statt, zusammen mit meinen Kommilitonen aus Dänemark, Frankreich, den USA, Bangladesh, Ghana und Russland. Wenn ich nicht gerade im Gespräch mit Dänen bin und wir uns einen Spaß daraus machen zu versuchen des Anderen Sprache zu verstehen, unterhalte ich mich den ganzen Tag über auf Englisch. Erasmus funktioniert an dieser Stelle also schon mal bestens. Sprachkenntnisse verbessern und internationale Erfahrungen sammeln – perfekt!

Immer unterwegs!

Die Zeit hier oben ist – zumindest für mich – nicht unbegrenzt, es gilt sie daher zu nutzen. Wir unternehmen als Gruppe internationaler Studenten daher immer wieder tolle Ausflüge. Einige der Ziele haben wir auch der großartigen Studenten-Wolfahrtsorganisation der Hochschule zu verdanken, beispielsweise eine Mitfahrt auf dem Traditionssegler Anna Rogde. Es ist ein altes Handelsschiff und agierte zwischen den Fjorden um Harstad herum. Bedauerlicherweise hatten wir am Ausflugstag Ende August leider nicht mehr so schönes Wetter, weshalb wir motorisiert unterwegs waren. Aber das lernt man hier oben ohnehin sehr schnell; auf das Wetter brauchst du dich gar nicht mal so sehr verlassen, dass ändert seine Meinung auch öfters als seine Windhosen (ich entschuldige mich für den Sparwitz).

Anna-Rogde

Die Norweger lieben es zu wandern. Mit “Kvikk Lunsj“, einem Schoko-Keks-Riegel, im Gepäck ging es auch für uns schon mehrmals raus um die Umgebung zu bewundern. Einmal ging es auf den Berg zwischen zwei Fjorden, zum Fernsehturm oder an einen nahegelegenen See zum gemeinsamen Picknick. Und ich kann euch eines sagen: die Umgebung ist atemberaubend! Nahezu von jedem Punkt aus hat man einen tollen Blick auf das Meer. Das liegt vor allem an Norwegens recht steiler Küste. Eine Einheimische ließ mich zudem wissen, dass die Preise von Grundstücken wegen des Meerblicks nicht negativ beeinflusst werden. Man habe doch eh überall einen entsprechenden Blick, eher habe man ungewöhnliche günstige Preise, weil man ein seltenes Grundstück OHNE grandiose Sicht hat. Es lohnt sich beim Laufen daher schon zwischen zwei Häusern hindurch zu sehen, auf dich könnte eine neue bis dahin noch nicht erlebte Aussicht warten.

Manche Ausflugsziele habe ich jetzt schon mehrmals angesteuert. Vor allem der Fernsehturm hat es mir angetan. Er ist zu Fuß nur ca. 20 Minuten entfernt und liefert einen tollen Blick auf zwei Stadtteile Harstads. Beim ersten Mal war ich dort mit der gesamten Gruppe internationaler Studenten. Beim zweiten Mal zeigte ich den Platz meiner Eltern, die mich bereits besucht haben (und noch zu einer recht angenehmen Zeit des Klimas kommen wollten). Der dritte Besuch war bei Nacht um Nordlichter zu beobachten. Jedes Mal herrschte ein anderes Wetter und die Sacht war demnach auch immer unterschiedlich.

Harstad_Nacht

Weitere Ausflugsziele waren zudem die Stadt Tromsø und die Inselregion Lofoten. Ersteres bei Regen – aber mit dem Express-Boot angesteuert – und letzteres bei strahlendem Sonnenschein. Die Lofoten sind mit dem Auto und mehreren Fähren gut zu erreichen. Die Reise dorthin lohnt sich sehr! Von den Norwegern im Sommer gerne an Wochenenden und in den Ferien als Erholungsort genutzt, zeigt sich hier Norwegen von seiner absolut schönsten Seite. Die Fahrt nach Svolvær, der “Hauptstadt” der Lofoten, wurde mehrmals unterbrochen um Bilder von der Natur zu schießen. Sagenhaft, kann ich euch sagen! Auch hierzu wird es noch etwas eigenes geben – das schulde ich den Lofoten allemal.

Es ist wirklich spannend mitzuerleben, wie sich das Klima ständig verändert. Hatten wir Ende August noch eine Woche richtig viel Sonnenschein, dass ich mich ärgerte keine kurze Hose eingepackt zu haben, herrscht momentan Dauerregen, der voraussichtlich noch bis Dienstag anhält – aber wer weiß das hier oben schon so genau. Die Höchsttemperaturen lagen aber bereits im September bei 8°C, Schnee gab es zu dieser Zeit in vergangenen Jahren aber auch schon. Und nein, es ist noch NICHT dunkel! Um diese Frage schon mal gleich vorwegzunehmen. Die Polarnacht beginnt erst am 19. November. Aber natürlich wird es schon davor merklich dunkel sein.

Ständig auf der Hut

Ich habe es in diesem Artike bereits erwähnt. Das magische Wort. Nordlichter. Auch wenn es dazu noch einen separaten Beitrag geben wird (oder auch zwei oder drei), möchte ich in diesem “Startschuss”-Beitrag bereits ein paar Worte darüber verlieren. Ich habe nun schon an einigen Abenden und Nächten tanzende Lichter am Himmel beobachten können. Vom ersten Moment an haben sie mich in ihrer Faszination gepackt. Es gibt eine Menge Videos und Bilder zu diesem Naturereignis im Netz, aber nichts davon kommt dem Gefühl nahe, wenn du zum ersten Mal in den Himmel schaust und dort nicht nur Schwarz mit einzelnen hellen Punkten zu sehen ist, sondern grüne Lichter Streifen malen. Und wie sie mal stärker und mal schwächer leuchten und du tatsächlich eine Weile brauchst um zu kapieren, was du da gerade siehst.

Nordlicht_Hafen_1

War meine erste Begegnung mit diesem Naturereignis eher rein zufällig, sollten die nächsten besser vorbereitet sein. Eine entsprechende App gibt ständig Auskunft über die Beobachtungs-Bedingungendes Tages an, eine andere ermöglicht zumindest für kleinere Snapschüsse ganz passable Fotos. Aber so richtig zur Geltung kommen Nordlichter natürlich nur, wenn man sie mit Spiegelreflex und entsprechendem Equipment bzw. den richtigen Einstellungen einfängt. Es ist also wichtig ständig auf der Hut zu sein. So schnell und unerwartet wie Nordlichter am Himmel erscheinen können, genau so schnell sind sie auch schon wieder verschwunden. Vorbereitung und Geduld sind das A und O.

Schon (hoffentlich) bald wird es hierzu und auch zu vielen anderen tollen Geschichten von hier oben dann mehr geben. Mit diesem Beitrag hoffe ich euch zumindest schon ein wenig die Nase lang gemacht haben zu können. Es ist aber viel interessanter, wenn man auf einzelne Themen genauer eingehen kann. Das funktioniert mit eigenen kleinen Beiträgen einfach viel besser. Nun denn, ich freue mich drauf! Ihr euch hoffentlich auch.

CC BY-SA 4.0 42 Tage können nicht irren von Fabian Felbick ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Fabian

Baccalaureus Oeconomiae. Kommunikator, Pfadfinder und bodenständiger Erdbewohner. Interessiert an Skandinavien, der Raumfahrt, Podcasts und Medien sowie spektakulären Ereignissen wie der re:publica.